Die Online-Ausgabe des 17. Wicker-Magazin 2011
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Mein Tag X am 4.7.2010
Ironman European Championship Frankfurt
von Monika Fischer

Aller guten Dinge sind DREI IM 2006, IM 2008, IM 2010 Geduld, Respekt, Demut, Mut, Entschlossenheit, Zuversicht

Nach dem ersten IM 2006:
2007:
Erstes richtiges Ultra-Lauf-Jahr (u. a. 100 km von Biel).

2008: Zweite Teilnahme beim IM in Frankfurt, keine ganz einfache Vorbereitungszeit (im April 2008 Meniskus-OP), jedoch toller Wettkampf mit neuer PB.

2009: Anfang Februar erhielt ich die Diagnose Brustkrebs und alle sportlichen Träume wurden plötzlich völlig nebensächlich, ein ganz anderer, unerwarteter Kampf hatte begonnen. Glücklicherweise war der Knoten noch sehr klein, so dass ich nach OP und unter laufender Bestrahlung schon im Mai 2009 Premiere beim Rennsteig-Supermarathon (72 km) hatte, kurze Zeit später folgte noch die Premiere beim K78 in Davos.

Warum zum dritten Mal Ironman?
Beim ersten Mal war es die reine Neugier und der Wunsch, selber einmal den roten Teppich am Römerberg hochzulaufen. Beim zweiten Mal machte ich aus der Not eine Tugend: Aufgrund einer Verletzung (Ermüdungsbruch im Schienbein) war das geplante Ultrajahr 2008 passé, Laufen entfi el für einige Zeit, Schwimmen und Radfahren gingen jedoch. Tja, und für die dritte Anmeldung ist mehr oder weniger meine „E-Mail- Bekanntschaft aus Nordhessen“, Dieter, verantwortlich – WENN DU DICH ANMELDEST, MELDE ICH MICH AUCH AN. Ganz doll, aber schon auch reizvoll. Er war Finisher in Roth im Jahr 2008 – damals ein Kälte- und Regenrennen. Für Frankfurt versprach ich ihm Sonne und Hitze (was sich ja auch prompt erfüllte, an ein Neoverbot hatten wir dabei beide nicht gedacht).
Und weil es mir so gut ging, mich schwierige Situationen im Leben scheinbar besonders motivieren, erfolgte Anfang Juli 2009 die Anmeldung zu meinem dritten Ironman in Frankfurt am 04.07.2010.

Ziel für den Ironman 2010:
Zunächst wie 2006 und 2008: Finishen – aufrecht, jubelnd und auf zwei Beinen den Römerberg hoch laufen und mit einem dicken Grinsen im Gesicht die Ziellinie überqueren!
Zeitziel? Hatte ich eigentlich nicht wirklich. Klar liebäugelte ich mit einer Verbesserung der Zeit von 2008 (12:05 h), was unter normalen Umständen sicherlich auch nicht ganz utopisch gewesen wäre. Außerdem wollte ich den Marathon im dritten Versuch doch gerne durchlaufen – schließlich war und bin ich Läuferin!!
Aber letztendlich wollte ich einfach nur einen tollen Tag (quasi als Belohnung für monatelanges hartes Training) haben und mich freuen, dass ich auch diese Lebenskrise relativ unbeschadet überstanden und überwunden habe. Um dieses Vorhaben erfolgreich in die Tat umzusetzen, hieß es, die Kräfte sinnvoll einteilen und die eigenen Stärken nutzen.
Geduld – mit mir haben.
Respekt – vor der großen körperlichen und mentalen Herausforderung haben.
Demut – vor den eigenen Grenzen haben.
Mut – für das Annehmen der schwierigen Aufgabe haben.
Entschlossenheit – für das Weiterkämpfen haben.
Zuversicht – für das Ankommen haben.

Unter http://www.wicker.de/sport.html finden Sie nun den ausführlichen Wettkampfbericht.

Persönliches Fazit:
In Anbetracht der aktuellen Umstände (Neoverbot, längere Radstrecke, Gluthitze beim Laufen, störende Magen- und Schaltungsprobleme) und der nicht immer einfachen Vorbereitungszeit (langer Winter, verregnetes Frühjahr, gesundheitliche Probleme der Mutter mit daraus resultierender, zusätzlicher psychischer Belastung) bin ich mit dem gesamten Wettkampf sehr zufrieden – sowohl von der Endzeit her, aber insbesondere vom Verlauf bzw. der Einteilung. Schon vor dem Rennen war mir klar, dass dieser lange Tag überwiegend von einer ordentlichen Taktik bestimmt sein wird. Dem Schwimmen als schwächster Disziplin nicht zuviel Bedeutung beimessen, auf dem Rad zurückhaltend bleiben und schließlich die Laufstärke ausnutzen, dazu zügige Wechsel, sich nicht mit Unwichtigkeiten (Ärgernissen) aufhalten, innerlich möglichst locker bleiben, nach vorne schauen. Klar gab es auch Tiefpunkte, Phasen der Lustlosigkeit oder auch Unmutsäußerungen, und auch der Körper hat einige Male signalisiert, dass ich mich an der Belastungsgrenze befinde. Aber das ist bei solch einer Herausforderung normal. Die Kunst ist dann, richtig zu reagieren: Sich selber am Schopf aus dem mentalen Loch zu ziehen oder einfach einen Gang zurückzuschalten.

So war auch die dritte Vorbereitung für, die dritte Teilnahme am und das dritte Finishen beim Ironman wieder eine ganz besondere Station in meinem Leben, als Sportlerin und auch so. Es sind immer neue Herausforderungen, Erfahrungen und Erlebnisse, die dem Ganzen die große Spannung und den besonderen Reiz verleihen. In unserer durchorganisierten und verplanten Welt erlebt man auf diese Weise ein sehr spezielles persönliches Abenteuer, man erfährt und lernt ungeahnte Dinge über sich, besteht neue Herausforderungen, durchlebt Höhen und Tiefen, im Training wie letztendlich auch im Wettkampf selber. Sicherlich sollten diese Extremsituationen und –belastungen nicht zu oft gesucht werden, aber so ab und an geben sie dem Alltag sowie der Absicherung „gegen Alles und Jeden“ in diesem Leben das gewisse Etwas. Grenzerfahrungen erweitern eigene Begrenzungen, hinterher ist man ein Stück freier im Denken, Fühlen und Handeln – meine persönliche Erfahrung.

Ausblick:
Träume muss es geben im Leben, aber muss jeder Traum verwirklicht werden? Und wenn ja, wann? Alles zu seiner Zeit. Nun hat anderes in meinem Leben Priorität – eben alles zu seiner Zeit. Für mich heißt es daher, erst mal sportlich kürzer treten, kleinere Brötchen backen, weiter mit Lust und viel Freude sporteln (dabei vielleicht mal besser Schwimmen lernen?!) – und die Träume bewahren.

 

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