
Aller guten Dinge sind DREI IM 2006, IM 2008, IM 2010 Geduld,
Respekt, Demut, Mut, Entschlossenheit, Zuversicht
Nach dem ersten IM 2006:
2007: Erstes richtiges Ultra-Lauf-Jahr (u. a. 100 km von
Biel).
2008: Zweite Teilnahme beim IM in Frankfurt, keine
ganz einfache Vorbereitungszeit (im April 2008 Meniskus-OP), jedoch
toller Wettkampf mit neuer PB.
2009: Anfang Februar erhielt ich die Diagnose
Brustkrebs und alle sportlichen Träume wurden plötzlich völlig
nebensächlich, ein ganz anderer, unerwarteter Kampf hatte begonnen.
Glücklicherweise war der Knoten noch sehr klein, so dass ich nach
OP und unter laufender Bestrahlung schon im Mai 2009 Premiere beim
Rennsteig-Supermarathon (72 km) hatte, kurze Zeit später folgte
noch die Premiere beim K78 in Davos.
Warum zum dritten Mal Ironman?
Beim ersten
Mal war es die reine Neugier und der Wunsch, selber einmal den
roten Teppich am Römerberg hochzulaufen. Beim zweiten Mal machte
ich aus der Not eine Tugend: Aufgrund einer Verletzung
(Ermüdungsbruch im Schienbein) war das geplante Ultrajahr 2008
passé, Laufen entfi el für einige Zeit, Schwimmen und Radfahren
gingen jedoch. Tja, und für die dritte Anmeldung ist mehr oder
weniger meine „E-Mail- Bekanntschaft aus Nordhessen“, Dieter,
verantwortlich – WENN DU DICH ANMELDEST, MELDE ICH MICH AUCH AN.
Ganz doll, aber schon auch reizvoll. Er war Finisher in Roth im
Jahr 2008 – damals ein Kälte- und Regenrennen. Für Frankfurt
versprach ich ihm Sonne und Hitze (was sich ja auch prompt
erfüllte, an ein Neoverbot hatten wir dabei beide nicht
gedacht).
Und weil es mir so gut ging, mich schwierige Situationen im Leben
scheinbar besonders motivieren, erfolgte Anfang Juli 2009 die
Anmeldung zu meinem dritten Ironman in Frankfurt am
04.07.2010.
Ziel für den Ironman 2010:
Zunächst wie 2006
und 2008: Finishen – aufrecht, jubelnd und auf zwei Beinen den
Römerberg hoch laufen und mit einem dicken Grinsen im Gesicht die
Ziellinie überqueren!
Zeitziel? Hatte ich eigentlich nicht wirklich. Klar liebäugelte ich
mit einer Verbesserung der Zeit von 2008 (12:05 h), was unter
normalen Umständen sicherlich auch nicht ganz utopisch gewesen
wäre. Außerdem wollte ich den Marathon im dritten Versuch doch
gerne durchlaufen – schließlich war und bin ich Läuferin!!
Aber letztendlich wollte ich einfach nur einen tollen Tag (quasi
als Belohnung für monatelanges hartes Training) haben und mich
freuen, dass ich auch diese Lebenskrise relativ unbeschadet
überstanden und überwunden habe. Um dieses Vorhaben erfolgreich in
die Tat umzusetzen, hieß es, die Kräfte sinnvoll einteilen und die
eigenen Stärken nutzen.
Geduld – mit mir haben.
Respekt – vor der großen körperlichen und mentalen
Herausforderung haben.
Demut – vor den eigenen Grenzen haben.
Mut – für das Annehmen der schwierigen Aufgabe
haben.
Entschlossenheit – für das Weiterkämpfen
haben.
Zuversicht – für das Ankommen haben.
Unter http://www.wicker.de/sport.html finden
Sie nun den ausführlichen Wettkampfbericht.
Persönliches Fazit:
In Anbetracht der
aktuellen Umstände (Neoverbot, längere Radstrecke, Gluthitze beim
Laufen, störende Magen- und Schaltungsprobleme) und der nicht immer
einfachen Vorbereitungszeit (langer Winter, verregnetes Frühjahr,
gesundheitliche Probleme der Mutter mit daraus resultierender,
zusätzlicher psychischer Belastung) bin ich mit dem gesamten
Wettkampf sehr zufrieden – sowohl von der Endzeit her, aber
insbesondere vom Verlauf bzw. der Einteilung. Schon vor dem Rennen
war mir klar, dass dieser lange Tag überwiegend von einer
ordentlichen Taktik bestimmt sein wird. Dem Schwimmen als
schwächster Disziplin nicht zuviel Bedeutung beimessen, auf dem Rad
zurückhaltend bleiben und schließlich die Laufstärke ausnutzen,
dazu zügige Wechsel, sich nicht mit Unwichtigkeiten (Ärgernissen)
aufhalten, innerlich möglichst locker bleiben, nach vorne schauen.
Klar gab es auch Tiefpunkte, Phasen der Lustlosigkeit oder auch
Unmutsäußerungen, und auch der Körper hat einige Male signalisiert,
dass ich mich an der Belastungsgrenze befinde. Aber das ist bei
solch einer Herausforderung normal. Die Kunst ist dann, richtig zu
reagieren: Sich selber am Schopf aus dem mentalen Loch zu ziehen
oder einfach einen Gang zurückzuschalten.
So war auch die dritte Vorbereitung für, die dritte Teilnahme am
und das dritte Finishen beim Ironman wieder eine ganz besondere
Station in meinem Leben, als Sportlerin und auch so. Es sind immer
neue Herausforderungen, Erfahrungen und Erlebnisse, die dem Ganzen
die große Spannung und den besonderen Reiz verleihen. In unserer
durchorganisierten und verplanten Welt erlebt man auf diese Weise
ein sehr spezielles persönliches Abenteuer, man erfährt und lernt
ungeahnte Dinge über sich, besteht neue Herausforderungen,
durchlebt Höhen und Tiefen, im Training wie letztendlich auch im
Wettkampf selber. Sicherlich sollten diese Extremsituationen und
–belastungen nicht zu oft gesucht werden, aber so ab und an geben
sie dem Alltag sowie der Absicherung „gegen Alles und Jeden“ in
diesem Leben das gewisse Etwas. Grenzerfahrungen erweitern eigene
Begrenzungen, hinterher ist man ein Stück freier im Denken, Fühlen
und Handeln – meine persönliche Erfahrung.
Ausblick:
Träume muss es geben im Leben, aber
muss jeder Traum verwirklicht werden? Und wenn ja, wann? Alles zu
seiner Zeit. Nun hat anderes in meinem Leben Priorität – eben alles
zu seiner Zeit. Für mich heißt es daher, erst mal sportlich kürzer
treten, kleinere Brötchen backen, weiter mit Lust und viel Freude
sporteln (dabei vielleicht mal besser Schwimmen lernen?!) – und die
Träume bewahren.
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Aktualisiert am 13.01.2011