

Inselsbergklinik in Tabarz.
von Alfred Stollberg
Seit eh und je kennt man die kleine Gemeinde am Nordrand
des Thüringer Waldes als gute Adresse in Bezug auf Nachsorge und
Rehabilitation nach der schweren Diagnose Krebs, aber auch
hinsichtlich Krankheitsannahme und Krankheitsbewältigung
einschließlich nötiger Hilfe zur Selbsthilfe.
Nach bald genau 22 Jahren Mauerfall und 21 Jahren Wiedervereinigung
kann nun auch die Inselsberg Klinik auf ein Bestehen von zwei
Jahrzehnten verweisen und mit Recht stolz sein.

Dr. med. Sigurd Scholze, niedergelassener Arzt in Tabarz und
Facharzt für Chirurgie sowie heute Landesvorsitzender des
Kneipp-Bundes, leitete bis zum 16.10.1991 eine kleine Nachsorge-
Einrichtung, das „Haus Veronika“ im herrlichen Lauchagrund.
Ihm ist es zu verdanken und gar nicht zu verdenken, dass er sofort
nach der Grenzöffnung Kontakte zu ähnlichen Einrichtungen bzw. zu
Kollegen suchte und diese in Bad Sooden-Allendorf, in der
Sonnenberg Klinik, auch fand. Im Gepäck hatte er viele Ideen und
Zukunftspläne für den Ort Tabarz und dessen Bewohner. Als
Gemeinderatsmitglied waren ihm die wenigen, aber lohnenswerten
Möglichkeiten und Chancen bekannt und man konnte davon ausgehen,
dass das oberhalb des Ortes monströs erscheinende Erholungsheim der
Zollverwaltung der DDR wohl nicht mehr mit Erholungssuchenden zu
betreiben sei und als Bundesvermögen veräußert werden sollte. Das
blieb dem damals gerade erst 34 jährigen Dipl.-Betriebswirt Michael
Wicker, seit 1985 im Familienunternehmen tätig, nicht verborgen und
sein unternehmerisches Streben richtete sich nach dem Osten, nach
Tabarz aus. Mit Mut, Engagement und nicht ohne Risiko hat er in
kürzester Zeit die heutige Klinik mit damals nur 68 einzurichtenden
Doppelzimmern erworben und bereits im Oktober 1991 in Betrieb
genommen. Nicht nur die Patienten aus den benachbarten
Reha-Einrichtungen „Haus Waldenfels“ in Tambach-Dietharz und dem
hiesigen „Haus Veronika“ erlebten einen Bilderbuchstart der
stationären medizinischen Rehabilitation unter Federführung der
damaligen BfA, auch die Mitarbeiterinnen und Mit arbeiter wurden
übernommen. Die ärztliche Leitung bekleitete kurzfristig Dr.
Scholze bis zum Eintritt von MR Dr. med. Volker von Paris im Januar
1992, der das Haus bis zum 31.10.2006 führte und an Chefarzt Dr.
med. Achim Richter aktuell übergab. Die Klinik wurde in den Jahren
1995 bis 1997 auf 248 Betten erweitert, modernisiert und erhielt
das notwendige Hallenbad. Seit den ersten Stunden zählte die Klinik
inzwischen ca. 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind
heute noch 41, etwa ein Drittel der aktuellen Belegschaft, vom
ersten Tag an hier im Dienste der Gesundheit tätig. Über 100
Zivildienstleistende sowie 55 Jugendliche im FSJ durften zudem das
Team in seiner Arbeit unterstützen.

Zu uns finden Patienten nach einer bösartigen Tumor- bzw.
Systemerkrankung über die Deutsche Rentenversicherung, teils über
die Krankenversicherung oder auch eine Berufsgenossenschaft
(Anschlussrehabilitation bzw. Antragsverfahren). Für folgende
Tumorentitäten besitzt die Klinik die Zulassung zur
Anschlussrehabilitation:
10 b Verdauungsorgane, 10 c Atmungsorgane, 10 d Niere, ableitende
Harnwege und männliche Genitale, 10 e Brustdrüse, 10 f Weibliches
Genitale, 10 j Haut, 10 k Maligne Systemerkrankungen, 10 l
Schilddrüse.
Die medizinische Betreuung erfolgt durch ein multiprofessionelles
Team von Ärzten, Psychologen, Krankenschwestern, Sport- und
Physiotherapeuten, Gestaltungs- bzw. Ergotherapeuten und einer
Sozialarbeiterin, das langjährige Erfahrungen in der klinischen
Onkologie und onkologischen Rehabilitation aufweisen kann. Die
stationäre Rehabilitation von Patienten mit Krebserkrankungen
zeichnet sich durch eine vielseitige und umfassende Therapie aus,
ausgerichtet auf die physischen, psychischen und sozialen Aspekte
der Tumorkrankheit. Dabei berücksichtigen wir sowohl die Art und
das Stadium der Erkrankung als auch das Maß der Funktionseinbußen.
Unser gemeinsames Ziel ist zunächst, die körperliche
Leistungsfähigkeit zu verbessern, die oft schweren Therapiefolgen
zu überwinden, den Umgang mit bleibenden Krankheitsdefi ziten und
Behandlungsfolgen zu erlernen und vor allem die Tumorkrankheit
seelisch zu verarbeiten. Schlussendlich soll die umfassende
Teilhabe der Patientinnen und Patienten im bisherigen Umfeld wieder
hergestellt und gesichert werden.

Wir nehmen unser 20-jähriges Bestehen ausserdem besonders gern
zum Anlass, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die
ausgezeichnete, engagierte und mit Empathie erfüllte Arbeit zu
danken. Die Kraft, die Ausdauer und die Kompetenz derer, die im
täglichen Ringen um eine hohe Prozess- und Ergebnisqualität am
Patienten arbeiten, ist nicht hoch genug einzuschätzen und verlangt
deshalb Anerkennung und Achtung!
Ebenso gilt unser Dank den Leistungsträgern bundesweit, unseren
Partnern und Zu weisern für das empfangene Vertrauen in unsere
Arbeit, verbunden mit der Hoffnung auf den Fortbestand dieser in
einer von schwierigen demografi schen Entwick - lungen und
resultierenden Grenzen wirtschaftlicher Art gekennzeichneten
Zeit.
Unser Kredo: „Der Mensch ist die Medizin des Menschen“ weist auf
ein Miteinander und Füreinander hin, auf eine starke Solidarität in
allen Lebenssituationen und in allen gegebenen gesellschaftlichen
Zwängen!
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Aktualisiert am 11.01.2011