Kurznachrichten des 17. Wicker-Magazin 2011
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20 Jahre Inselsberg Klinik Tabarz
Rehabilitation nach Krebserkrankung im grünen Herzen Deutschlands

von Alfred Stollberg

Seit eh und je kennt man die kleine Gemeinde am Nordrand des Thüringer Waldes als gute Adresse in Bezug auf Nachsorge und Rehabilitation nach der schweren Diagnose Krebs, aber auch hinsichtlich Krankheitsannahme und Krankheitsbewältigung einschließlich nötiger Hilfe zur Selbsthilfe.

Nach bald genau 22 Jahren Mauerfall und 21 Jahren Wiedervereinigung kann nun auch die Inselsberg Klinik auf ein Bestehen von zwei Jahrzehnten verweisen und mit Recht stolz sein.

Dr. med. Sigurd Scholze, niedergelassener Arzt in Tabarz und Facharzt für Chirurgie sowie heute Landesvorsitzender des Kneipp-Bundes, leitete bis zum 16.10.1991 eine kleine Nachsorge- Einrichtung, das „Haus Veronika“ im herrlichen Lauchagrund.
Ihm ist es zu verdanken und gar nicht zu verdenken, dass er sofort nach der Grenzöffnung Kontakte zu ähnlichen Einrichtungen bzw. zu Kollegen suchte und diese in Bad Sooden-Allendorf, in der Sonnenberg Klinik, auch fand. Im Gepäck hatte er viele Ideen und Zukunftspläne für den Ort Tabarz und dessen Bewohner. Als Gemeinderatsmitglied waren ihm die wenigen, aber lohnenswerten Möglichkeiten und Chancen bekannt und man konnte davon ausgehen, dass das oberhalb des Ortes monströs erscheinende Erholungsheim der Zollverwaltung der DDR wohl nicht mehr mit Erholungssuchenden zu betreiben sei und als Bundesvermögen veräußert werden sollte. Das blieb dem damals gerade erst 34 jährigen Dipl.-Betriebswirt Michael Wicker, seit 1985 im Familienunternehmen tätig, nicht verborgen und sein unternehmerisches Streben richtete sich nach dem Osten, nach Tabarz aus. Mit Mut, Engagement und nicht ohne Risiko hat er in kürzester Zeit die heutige Klinik mit damals nur 68 einzurichtenden Doppelzimmern erworben und bereits im Oktober 1991 in Betrieb genommen. Nicht nur die Patienten aus den benachbarten Reha-Einrichtungen „Haus Waldenfels“ in Tambach-Dietharz und dem hiesigen „Haus Veronika“ erlebten einen Bilderbuchstart der stationären medizinischen Rehabilitation unter Federführung der damaligen BfA, auch die Mitarbeiterinnen und Mit arbeiter wurden übernommen. Die ärztliche Leitung bekleitete kurzfristig Dr. Scholze bis zum Eintritt von MR Dr. med. Volker von Paris im Januar 1992, der das Haus bis zum 31.10.2006 führte und an Chefarzt Dr. med. Achim Richter aktuell übergab. Die Klinik wurde in den Jahren 1995 bis 1997 auf 248 Betten erweitert, modernisiert und erhielt das notwendige Hallenbad. Seit den ersten Stunden zählte die Klinik inzwischen ca. 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind heute noch 41, etwa ein Drittel der aktuellen Belegschaft, vom ersten Tag an hier im Dienste der Gesundheit tätig. Über 100 Zivildienstleistende sowie 55 Jugendliche im FSJ durften zudem das Team in seiner Arbeit unterstützen.

Zu uns finden Patienten nach einer bösartigen Tumor- bzw. Systemerkrankung über die Deutsche Rentenversicherung, teils über die Krankenversicherung oder auch eine Berufsgenossenschaft (Anschlussrehabilitation bzw. Antragsverfahren). Für folgende Tumorentitäten besitzt die Klinik die Zulassung zur Anschlussrehabilitation:
10 b Verdauungsorgane, 10 c Atmungsorgane, 10 d Niere, ableitende Harnwege und männliche Genitale, 10 e Brustdrüse, 10 f Weibliches Genitale, 10 j Haut, 10 k Maligne Systemerkrankungen, 10 l Schilddrüse.
Die medizinische Betreuung erfolgt durch ein multiprofessionelles Team von Ärzten, Psychologen, Krankenschwestern, Sport- und Physiotherapeuten, Gestaltungs- bzw. Ergotherapeuten und einer Sozialarbeiterin, das langjährige Erfahrungen in der klinischen Onkologie und onkologischen Rehabilitation aufweisen kann. Die stationäre Rehabilitation von Patienten mit Krebserkrankungen zeichnet sich durch eine vielseitige und umfassende Therapie aus, ausgerichtet auf die physischen, psychischen und sozialen Aspekte der Tumorkrankheit. Dabei berücksichtigen wir sowohl die Art und das Stadium der Erkrankung als auch das Maß der Funktionseinbußen. Unser gemeinsames Ziel ist zunächst, die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, die oft schweren Therapiefolgen zu überwinden, den Umgang mit bleibenden Krankheitsdefi ziten und Behandlungsfolgen zu erlernen und vor allem die Tumorkrankheit seelisch zu verarbeiten. Schlussendlich soll die umfassende Teilhabe der Patientinnen und Patienten im bisherigen Umfeld wieder hergestellt und gesichert werden.

Wir nehmen unser 20-jähriges Bestehen ausserdem besonders gern zum Anlass, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die ausgezeichnete, engagierte und mit Empathie erfüllte Arbeit zu danken. Die Kraft, die Ausdauer und die Kompetenz derer, die im täglichen Ringen um eine hohe Prozess- und Ergebnisqualität am Patienten arbeiten, ist nicht hoch genug einzuschätzen und verlangt deshalb Anerkennung und Achtung!
Ebenso gilt unser Dank den Leistungsträgern bundesweit, unseren Partnern und Zu weisern für das empfangene Vertrauen in unsere Arbeit, verbunden mit der Hoffnung auf den Fortbestand dieser in einer von schwierigen demografi schen Entwick - lungen und resultierenden Grenzen wirtschaftlicher Art gekennzeichneten Zeit.

Unser Kredo: „Der Mensch ist die Medizin des Menschen“ weist auf ein Miteinander und Füreinander hin, auf eine starke Solidarität in allen Lebenssituationen und in allen gegebenen gesellschaftlichen Zwängen!

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